Martin Spühler
Martin Spühler · Atelier Ricketwil

Biographie

Biographie

Martin Spühler (1943–2023) lebte und arbeitete in Ricketwil bei Winterthur. Bildhauer, Klangkünstler, Puppenspieler — ein Werk, das sich zwischen Materie und Musik bewegt. Am 29. August 2023 ist er verstorben.

1943 in Zürich geboren und aufgewachsen. Lehre als Hochbauzeichner, anschliessend Mitarbeiter in einem Architekturbüro in Paris. Zurück in der Schweiz besucht er die Maturitätsschule. In dieser Zeit kommt eine Anfrage zur Mithilfe bei einem Puppentheaterstück — er kreiert Stück und Figuren grad selbst, spielt es, und es wird ein grosser Erfolg. Im Laufe der Jahre folgen neun weitere Produktionen, stets mit eigenem Text, Figuren und Bühnenbild, immer live gesprochen.

1966 macht er sich als Puppenspieler selbständig und baut gleichzeitig sein erworbenes Bauernhaus in Altikon aus. 1968 heiratet er die Pianistin Annemarie Bühler, bald kommen zwei Kinder dazu.

Martin Spühler ist ein unruhiger, suchender Mensch. Er möchte unbedingt mit Stein arbeiten. 1974 zieht die Familie für mehrere Monate in den Tessin; nach knapp einem Jahr sind genügend Werke für eine Ausstellung entstanden. Aus finanziellen Gründen bleibt es die einzige Zeit seines Lebens für die Arbeit am Stein.

Mit seinen Theaterstücken ist er weiter auf Tournee durch die ganze Schweiz. Mehrere Kinderstücke entstehen, oft mit gesellschaftlichem Hintergrund. Sehr erfolgreich wird das Jugend- und Erwachsenenstück „D’Baumlüüt“. Seine letzte Produktion ist die surrealistische „Der Flussläufer“, später zusammen mit dem Pianisten John Wolf Brennan zu „Adrift“ weiterentwickelt. Die kunstvollen Figuren aus Schwemmhölzern der Maggia gehören zu den wenigen, die erhalten geblieben sind — sie wurden dem Musée de la Marionette in Fribourg übergeben.

In Basel lernt er den Perkussionisten Barni Palm kennen, der auf einem selbst gebauten Metallinstrument spielt. Dieser Klang fasziniert Martin so sehr, dass er ihn nicht mehr loslässt. Schon 1976 entstehen erste Klangobjekte aus Metall.

Bis 1985 die erste Klangobjekt-Ausstellung in Biel stattfindet, baut er erneut ein Bauernhaus um — in Ricketwil, wo er bis zu seinem Tod wohnt und arbeitet. Er wirkt an Tanzprojekten mit Masken und Utensilien mit und gründet 1979 in Winterthur das Theater am Gleis, das er bis 1985 leitet.

Ab diesem Zeitpunkt gilt sein künstlerisches Schaffen dem Metall — vor allem den neu entwickelten Klangobjekten. Zusammen mit Musiker:innen und Komponist:innen entsteht für Jahrzehnte eine fruchtbare künstlerische Phase. Unzählige Installationen und Konzerte folgen im In- und Ausland, vor allem in Deutschland.

In seinen zwei letzten Lebensjahren entsteht zusammen mit dem Filmemacher Arthur Spirk ein Film über diese 30-jährige Arbeit am Klang.

Hören als Handwerk

Jedes Material hat einen Klang — man muss ihm nur Zeit geben.

Skulptur trifft Musik

Die Grenze zwischen Objekt und Instrument ist eine Einladung.

Zusammenarbeit

Musiker, Tänzer:innen, Maler:innen — Werk entsteht im Dialog.

Beständigkeit

Über fünf Jahrzehnte ein Werk, das sich treu bleibt und doch neu klingt.